Historie
der Hardenbergschule Kiel

Einige von Ihnen werden sich sicherlich darüber gewundert haben, dass die Hardenbergschule 125 Jahre alt wird, obwohl man doch ganz deutlich lesen kann, dass die Jahreszahl 1902 mitten auf dem Gebäude prangt. Das erklärt sich folgendermaßen:

Die Zeit Kaiser Wilhelm II

Zur Zeit Kaiser Wilhelm II wurde Kiel als Stadt immer größer und dehnte sich nach Norden aus. Die Bebauung des  Blücherplatzes und der Straßen drumherum wurde geplant. Hier sollten die Offiziere der Marine wohnen. In der  Chronik lässt sich nachlesen, sie läge weit draußen vor der Stadt.

1891 wurde in Kiel die VII. Knabenvolksschule gegründet, die als Stammschule unserer heutigen Hardenbergschule gilt, vorerst noch ohne eigenes Gebäude.  Schulleiter Peter Lund hieß also die Schüler zunächst einmal am 2. April 1891 in sieben Räumen einer Gewerbeschule am Kütertor willkommen. Die Jungen verließen zu dieser Zeit die Schule mit ihrer Konfirmation. Sie besuchten hier also  acht Jahre die Schule. Bis die VII. Knabenvolksschule dann aber tatsächlich in das heutige Gebäude einziehen konnte, sollten noch einige Jahre vergehen. Architekt der späteren Hardenbergschule war der Baumeister Voß. Am 10. April 1901 legte er seine Pläne der Baukommission vor, die diese bewilligte. Die Schule wurde, wie es in der Zeit Kaiser Wilhelms II typisch für Kiel war, als roter Backsteinbau umgesetzt. Die Kosten betrugen damals 300.000 Reichsmark. Zur Zeit ihrer Fertigstellung sah die Schule noch ein klein wenig anders aus als heute, denn sie sollte stürmische Zeiten überstehen. 1903 konnten die ersten Schüler dann in das neue Gebäude einziehen. Es waren damals jedoch zwei Schulen: In den Ostflügel, in dem auch heute unsere Schule untergebracht ist, zog die VII. Knaben-Volksschule. Die III. Mädchen - Volksschule bezog den Westflügel des Gebäudes. Ihre Pausen durften Jungen und Mädchen zu dieser Zeit  jedoch noch nicht miteinander verbringen.

Um 1910 betrug die Schülerzahl der VII. Knabenvolksschule 700. Es wurden 45 Kinder in einer Klasse gemeinsam unterrichtet. Damals besuchten die Schüler die Schule noch an 6 Vormittagen und 4 Nachmittagen. Von 1913 an regelte ein Erlass der Regierung, dass die Kinder lediglich vormittags fünf Stunden die Schule besuchten.

1914-1918
Die Schule im 1. Weltkrieg

1914 brach der Krieg aus und das Heer und die Marine beschlagnahmten zahlreiche Schulgebäude in Kiel. Auch die Schulen in der Hardenbergstraße mussten ihr Haus räumen. Die VII. Knaben-Volksschule zog in die Gerhardstraße. Während dieser schweren Zeiten mussten viele Lehrer in den Krieg ziehen. Zunächst gab es für die Schüler einen Schichtunterricht. 1918 beschlagnahmte die Militärverwaltung das Schulhaus an der Gerhardstraße. Die VII. Knaben- Volksschule zog nun in das Schulhaus der I. Oberrealschule an der Waitzstraße.

1918-1933
Die Schule in der Weimarer Republik

1918 war der erste Weltkrieg zu Ende. Am 1. April 1919 konnten die Schüler der III. Mädchen-Volksschule und der VII. Knaben-Volksschule wieder in ihr Gebäude zurück.

Erst nach dem 1. Weltkrieg widmete man sich wieder dem Schulwesen. Gedanken der Pädagogischen Reformer sollten nun Einzug in die Schulwirklichkeit haben und auch die äußere Form des Schulwesens sollte sich ändern. Bis 1920 beherbergte die VII. Knaben-Volkschule die Klassen 9 bis 1, die in der Mehrheit eher von Kindern weniger bemittelter Eltern besucht wurde und die nicht in der Lage waren, das Schulgeld für die weiterführenden Schulen aufzubringen. Nun sollten die ersten vier Schuljahre der Volksschule eine allgemeine Grundschule für alle Kinder werden. Die privaten Vorschulen sollten auslaufen. Erst nach der gemeinsamen Grundschule durften die Kinder die weiterführenden Schulen besuchen. 1923/24 ging es Deutschland wirtschaftlich immer schlechter. Die Inflation erreichte ihren Höhepunkt. Schulhefte kosteten Millionen. Die Eltern waren nicht mehr in der Lage ihren Kindern das Nötigste zu kaufen. Das Gehalt des Direktors betrug 1923: 319 865 733 118 580 Reichsmark. Damit war ein Direktor also Billionär. Das Geld war jedoch nichts wert.

Im Schuljahr 1931/1932 wurde aus der VII. Knaben-Volksschule fast eine reine Grundschule. Zum einen sank das Ansehen
der Volksschulen und die Übergangsquote auf die weiterführenden Schulen nahm zu, zum anderen verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage immer mehr. Um Planstellen einzusparen, wurden die übrigen Klassen mit benachbarten Schulen zusammengelegt. Die VII. Knaben-Volksschule beherbergte nun 637 Schüler, 13 Grundschulklassen und eine Mittelstufenklasse. Erst 1936 bekam die Schule wieder eine vollständige Oberstufe bis zur 9. Klasse (damals 1. Klasse).

1933-1945
Die Schule im Dritten Reich

Nachdem die NSDAP am 5. März 1933 die Wahl gewonnen hatte und Adolf Hitler als Reichskanzler die Macht übernahm, wurden viele Lehrer aus dem Schuldienst entlassen (z.B. wenn sie einer Linkspartei angehörten). Der Unterricht wurde politisiert. Lehrer mussten an Umschulungsmaßnahmen teilnehmen, um den Schülern so früh wie möglich das Nationalsozialistische Gedankengut beizubringen. Die „Leitgedanken zur Schulordnung“ führten den Deutschen Gruß „Heil Hitler“ in der Schule ein. Die umstrukturierten Unterrichtsziele waren für die Schüler kaum zu erreichen. Zum Schuljahr 1939/40 änderten sich die Klassenbezeichnungen. Die Anfängerklasse hieß jetzt Klasse 1 und die Abschlussklasse Klasse 9. Am 1. September 1939 begann der zweite Weltkrieg. 1939 musste die VII. Knaben-Volksschule einige Klassen auslagern, weil das Militär das Schulgebäude für sich beanspruchte. Viele Lehrer mussten an die Front. Es gab wieder Schichtunterricht, um überhaupt alle Schüler beschulen zu können.

In Kiel war das Leben besonders gefährlich. Mittlerweile gab es Flugzeuge, die Bomben abwarfen. Da in Kiel U-Boote gebaut wurden, die im Krieg besonders wichtig waren, fielen viele Bomben auf die Stadt und im Schulgebäude wurde ein Luftschutzkeller eingerichtet. Das Schulgebäude diente ab dem 11.März 1941 als Wohnraum für 500 Italiener, die sich zum Arbeiten im Marinearsenal verpflichtet hatten. Die Schüler erhielten verkürzten Unterricht und wurden auf umliegende Schulen verteilt. Die Schulgruppen wurden nach ihrer Straße benannt und besuchten als „Schulgruppe-Hardenbergstraße“ ein altes Wiker Schulhaus. Bei den Angriffen auf Kiel wurde im Januar, April und Mai das Schulhaus stark beschädigt. Im Januar fiel die Turnhalle den Bomben zum Opfer, im April der westliche Turmflügel. Im Mai, beim Großangriff, trafen Brandbomben das Schulhaus und setzten den Dachstuhl in Brand. Nach diesen Angriffen blieben alle Kieler Schulen geschlossen. Am 15. Januar 1944 mussten die Italiener das Schulgebäude in der Hardenbergstraße räumen, denn es wurde bis zum 12. Mai 1945 mit französischen Kriegsgefangenen belegt.

Die Schule nach der Kapitulation

Kiel lag in Trümmern und ein Unterricht im Schulhaus in der Hardenbergstraße war nicht möglich. Wieder einmal besuchten die Schüler der VII. Knaben–Volksschule (Schulgruppe-Hardenbergstraße) die Schule in der Gerhardstraße.

Die Hardenbergschule

Ihren Namen erhielt die Hardenbergschule nach Karl August Freiherr von Hardenberg, geb. 31.05.1750 in Essenrode (Kreis Gifhorn), gest. 26.11.1822 in Genua. Er war ein preußischer Staatsmann, der die Reformen des Karl Freiherr von und
zum Stein fortführte, besonders durch den beschleunigten Abbau der städtischen Zunftverfassung zugunsten der Gewerbefreiheit (1810), durch die Judenemanzipation (1812) sowie die Unterstützung der Humboldt’schen Bildungsreformen.

Von der VII. Knaben-Volksschule zur Hardenbergschule

1950 übernahm Direktor Pleikis die Leitung der VII. Knaben-Volksschule, nun „ Schulgruppe Hardenberg 1“. Die bezog am 13. April wieder ihr altes Gebäude in der Hardenbergstraße 6-9. Auch die III. Mädchen–Volksschule, nun „Schulgruppe Hardenberg 2“, zog wieder in ihr Schulgebäude ein. Seit 1952 wurden erstmals regelmäßige Klassenfahrten abgehalten. Ein beliebtes Ziel war das Honigparadies auf Amrum. Im Schuljahr 1955/56 nahm die Schulgruppe Hardenberg 1 zum ersten Mal 30 Mädchen auf. Zum Schuljahr 1957 zog die Mädchenschule Schulgruppe Hardenberg 2 in ein neues Gebäude und nannte sich fortan Reventlouschule. Von nun an bezog die Enkingschule (Mittelschule) den Westflügel des Gebäudes. Ende 1967 ging Direktor Pleikis in den Ruhestand und die Direktorin Frau Hammerthaler leitete für nur ein Jahr die Schule. Zum Schuljahr 1968/69 wurde die Hardenbergschule zur reinen
Grundschule. 1969 wurden zwei Vorschulklassen neu eingerichtet. Die Oberstufenklassen verlor die Schule an die Reventlouschule und die Elsa-Brandström–Schule. Von 1970 – 1982 leitete Frau Konarske die Hardenbergschule.
Mittlerweile besuchten genauso viele Mädchen wie Jungen die Hardenbergschule. 1977 erhielt die Schule durch tatkräftige Mitarbeit der Eltern einen Bühnenraum. Hier wurden von nun an zwei Mal im Jahr verschiedene Theaterstücke der Hardenbergschüler aufgeführt. 1982 folgte Frau Sorge als neue Schulleiterin. In den achtziger Jahren wurden einige Neuerungen eingeführt: Regelmäßig feierte man ein Kinderfest, hielt Bundesjugendwettspiele ab, besuchte gemeinsam das Weihnachtsmärchen, ein Schulchor wurde gegründet und es gab regelmäßig Aufführungen auf der schuleigenen
Bühne. 1989 wurden die ersten Projekttage durchgeführt. Die Schulkonferenz beschloss die fünf Tage-Woche. Und ab dem Schuljahr 1989/90 gab es nun keinen Unterricht am Samstag mehr. 1990 verließen die letzten Klassen der Enkingschule das Gebäude. Das Centre Culture Francais, die Deutsch-Iberomanische Gesellschaft und der Kieler Knabenchor zogen in
die Räume des Westflügels ein. Während der Sommerferien 1990 wurde der Schulhof neu gestaltet. Nach längerem Ringen
mit der Stadt gab es nun ein Kleinspielfeld und eine 75-m-Bahn, so dass die Schülerinnen und Schüler im Sommer den Sportunterricht auch auf dem Schulhof absolvieren konnten. 1991 wurden dann eine große Sandkiste mit Turngeräten und
ein eigener Schulgarten mit Rasenfläche und Büschen neu angelegt.

Die Hardenbergschule wird 100 Jahre

1991 feierte die Hardenbergschule ihr 100 jähriges Bestehen mit einer Reihe von Veranstaltungen. Am 7. Juni fand das Jubiläum mit einem Festakt im Schauspielhaus seinen Abschluss. 1991 gründeten 17 Familien die Initiative „Hardenbergzwerge-Betreute Grundschule e.V.“ So sollte es Eltern ermöglicht werden, wieder arbeiten zu gehen, ohne Sorge zu haben, ihre Kinder unbeaufsichtigt zu Hause lassen zu müssen. Im Juni 1992 ging Frau Sorge in den Ruhestand. Leider verstarb sie im gleichen Jahr. 1992/93 leitete die Konrektorin Frau Nawotki für ein Jahr kommissarisch die Schule. Frau Sommer folgte nun als neue Schulleiterin im August 1993. 1994 wurden die klassenübergreifenden Arbeitsgemeinschaften der Klasse 3 und 4 fester Bestandteil des Schulkonzepts. Auch die Rechtschreibreform hielt in diesem Jahr Einzug in die Hardenbergschule. 1998 wurden die Vorschulklassen geschlossen.

Millenium

Seit dem Jahr 2000 veränderte sich das schulische Leben in der Hardenbergschule sehr rasant. Bisher waren Zeugnisse immer mit der Hand geschrieben worden. Der Computer fand immer stärkeren Einzug in den Schulalltag und wurde nun auch für das Schreiben von Zeugnissen eingesetzt. Im Laufe verschiedener Umbaumaßnahmen wurde aus einem alten Physikraum der heutige Kunstraum und aus dem ehemaligen Naturzimmer ein Computerzimmer, in dem fortan eine ganze Klasse am Computer arbeiten konnte. Die Hardenbergschule stellte sich zunächst auf dem Papier und später im Internet in Form eines Schulprofils vor. 2004 erweiterten die Hardenbergzwerge ihre Räume. Es gab nun eine Küche und 3 weitere
Räume, denn der Bedarf an Betreuungsplätzen stieg stetig an. Zum Schuljahr 2005/2006 gab es die Verlässlichkeit. Klasse 1 und 2 sollten nun 4 Zeitstunden von der Schule betreut sein und Klasse 3 und 4 5 bzw. 6 Zeitstunden. Im Juli 2010 wurde die Rektorin Frau Renate Sommer mit einem rauschenden Fest auf dem Schulhof und einem Abschiedsprogramm mit
Gesang und Tanz in der St. Heinrich Kirche verabschiedet. Nach der kommissarischen Leitung als Konrektorin übernahm ab dem Schuljahr 2011/12 Frau Eva Schneider die Leitung der Hardenbergschule mit damals 280 Schülerinnen
und Schülern. Ebenfalls 2011 feierten die Hardenbergzwerge ihr 20 jähriges Jubiläum. Mittlerweile wurden dort 70 Hardenbergschülerinnen und -schüler betreut. 2011 kam auch der DRK- Hort im Hardenberg-Gebäude unter. Das Gebäude wurde mehrfach umgebaut und seither sind die ehemaligen Räume der ersten Klassen im Erdgeschoss Horträume des DRK. 2012 wurde der Schulgarten um vier Hochbeete und einem geflochtenen Weidenzaun erweitert. Geholfen haben dabei Schülerinnen und Schüler des RBZ1. Von nun an konnte gegärtnert oder im Weidentippi gespielt werden. Im September 2013 bekam der Schulgarten eine weitere Attraktion: den Niedrigseilgarten. Er wurde mit einem großen Fest eingeweiht. Rote Luftballons mit Briefen von allen Schüler/innen stiegen vom Schulhof in den Himmel auf. Im November 2013 mussten die Hardenbergschüler umziehen. Das Sturmtief Christian hatte mitten in der Nacht das Schuldach hinfort getragen. Es war zu gefährlich die Schule zu betreten und alle Schüler und Lehrer wurden vorrübergehend in der Tim-Kröger Schule untergebracht. Im gleichen Jahr wurde eine Schülerbücherei eingerichtet. Die Schülerinnen und Schüler organisieren die Ausleihe für ihre Mitschüler/innen.

Heute

Nach wie vor hat die Hardenbergschule neben ihrem Unterricht ein breit gefächertes Angebot. Es wird Fasching gefeiert, Basare und Flohmärkte werden veranstaltet und Projektwochen, Forschertage, Kunst- und Literaturtage durchgeführt. Regelmäßig gibt es an der Hardenbergschule Vorlesetage, Lauftage und Wandertage. Klassen besuchen das Weihnachtsmärchen, backen Kekse in der Schulküche, besuchen gemeinsam Gottesdienste, veranstalten Adventssingen und kleine Aufführungen im Herbst und Frühjahr, treffen sich zum Weihnachtsbasteln und vieles mehr. Die Hardenbergschule hat sogar ihre eigene Schulhymne. Auch ein Schultag gestaltet sich für die meisten Schüler und Schülerrinnen nun anders. Nach der Schule geht nur ein kleiner Teil nach Hause. Von den momentan 302 Schülern besuchen 228 unsere Betreuungseinrichtungen. Die Zahl der betreuten Schüler wird in den kommenden Jahren wohl noch weiter steigen.